Projekt: Sicheres Fahrradfahren durch Flüchtlinge

Projekt: Verkehrssicheres Verhalten radfahrender Flüchtlinge aus Stockstadt

Aktionspartner:    - Kreisverkehrswacht Groß-Gerau e.V.,
                            - Helferkreis „Stockstadt hilft“,
                            - mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft,
                              Verkehr und Landesentwicklung

Zielsetzung:
Der Gemeinde Stockstand wurden, wie allen anderen Gemeinden Hessens auch, Flüchtlinge zugewiesen. Derzeit leben ca. 100 Flüchtige in einer eigens dafür geschaffenen Unterkunft. Der überwiegende Anteil der Flüchtlinge kommt aus Syrien. Die Flüchtlinge verfügen auf Grund ihrer Flucht und der erst kurzen Zeit, in der sie sich im Bundesgebiet aufhalten, über keine oder nur rudimentäre Kenntnisse deutscher Verkehrsvorschriften.
Die persönlichen Kompetenzen beim Radfahren, sind auf Grund fehlender motorische Fertigkeiten im Zusammenhang mit der fehlenden Kenntnis deutscher Rechtsvorschriften, unzureichend und die radfahrenden Flüchtlinge stellen ein hohes Verkehrssicherheitsrisiko dar. Zudem soll das Fahrradfahren bei denen gefördert werden, die bisher insbesondere in ihrem Herkunftsland, nicht oder kaum Fahrrad gefahren sind. Fahrradfahren als ökologisch sinnvolle Möglichkeit, das Umfeld zu erkunden, angestrebte Ziele schnell und kostengünstig zu erreichen und sich somit schneller integrieren zu können. Darüber hinaus sollen Möglichkeiten geboten, das Erlernen der deutschen Sprache, mit dem Erlernen der deutschen Verkehrsvorschriften zu verbinden.

Im Einzelnen ist folgendes geplant bzw. bereits in der Umsetzungsphase

1. Theoretische Unterweisungen am 28.11. und 2.12.2015
- Verkehrsvorschriften allgemein
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Verkehrsvorschriften beim Radfahre
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Schutzkleidung (Helm, Weste etc.)
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Das verkehrssichere Fahrrad

2. Verkehrssicherheits-Quiz
Als Lernzielkontrolle der o.a. theoretischen Wissensvermittlung mit zusätzlichen „Forscheraufgaben“ wird ein schriftlicher Test in deutscher Sprache hergestellt, der nicht nur die Möglichkeit bietet, das erlernte Wissen und Beweis zu stellen, sondern auch verlangt, dass bestimmte Örtlichkeiten in Stockstadt gesucht, das Umland somit zu Rad oder zu Fuß erkundet werden muss. Darüber hinaus soll der Test die Möglichkeit bieten, beim Erlernen der deutschen Sprache verwandt zu werden, um so die gestellten Fragen verstehen und die geforderten Antworten geben zu können.

3. Schulung des motorischen Verhaltens mit Anwendung erster Verhaltensvorschriften
Im Schonraum (Örtlichkeiten am Schwimmbad bzw. der Altrheinhalle) soll das motorische Verhalten beim Fahrradfahren überprüft, ausgebaut und trainiert werden. Dies gilt auch für mehrfachmotorische Handlungen (Fahrradfahren, Umsehen, Handzeichen geben und Abbiegen). Darüber hinaus werden Informationen/Demonstrationen zur verkehrssicheren Kleidung, Behebung einfacher Fahrradmängel gegeben

Samstag,            den 5. Dezember 2015, 10.00 – 14.00 Uhr
Treffpunkt:           Parkplatz Schwimmbad 
Teilnehmer:         14 Flüchtlinge von den 12 Flüchtlinge an den Übungen teilnehmen konnten.

Ablauf:                
11 gestiftete und durch Herrn Reinhard Heinbuch vom Helferverein Stockstadt reparierte Fahrräder wurden zu Beginn an die Größen der Flüchtlinge angepasst und zunächst für die Übungen zur Verfügung gestellt. Ein Flüchtling verfügt über ein eigenes Fahrrad.
 Ebenso wurden zunächst die von der Kreisverkehrswacht Groß-Gerau e.V. mitgebrachten Fahrradhelme angepasst. In zwei Gruppen á 6 Personen mussten die Flüchtlinge dann zunächst in ‚“freiem Fahren“ ihre fahrerischen Fähigkeiten zeigen. Auf dem Parkplatz wurden mit verkehrswachteigenen Materialien bzw. eigens angeschafftem Material unterschiedliche Parcours aufgebaut, bei denen die Flüchtlinge ihre Fähigkeiten, insbesondere im bei mehrfach-motorischen Handlungen z.B. Fahrrad Fahren, Spur halten, sich umschauen, Handzeichen geben und abbiegen, einübten bzw. verbesserten.
I
nsgesamt mussten 8 vorgesehene Übungen absolviert werden. Zusätzlich wurden zwei Sonderübungen zum Slalom Fahren und Bremsen durchgeführt. Auch wenn unter den teilnehmenden Flüchtlingen niemand war, der gar kein Fahrradfahren konnte, so darf der Erwerb bzw. die Verfestigung fahrerischer Kompetenz nicht unterschätz werden. Die Fähigkeiten beim Fahrrad Fahren und das gleichzeitige Beachten der im theoretischen Vorspann erworbenen Verkehrsregeln müssen dann nächste Woche in der Verkehrsrealität unter Beweis gestellt werden.  Nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Stockstädter Helfer und die Trainer der Kreisverkehrswacht hatten bei den Übungen viel Spaß. Fahrräder und Helme mussten am Ender der Übungen im Schonraum zunächst wieder abgegeben werden und die Flüchtlinge deswegen, von einer Ausnahme abgesehen, den Weg in ihre Unterkunft zu Fuß antreten.

4. Fahren in der Verkehrswirklichkeit und Informationsweitergabe an bestimmten Örtlichkeiten in und um Stockstadt
Nach einer „Einfahrphase“ im Schonraum, werden in Kleingruppen mit dem Fahrrad bestimmte Ziele, die in verkehrsarmen Regionen liegen, aufgesucht. An diesen Zielen z.B. Hofgut Guntershausen, Kühkopf werden den Flüchtlingen Informationen zur Region bzw. der jeweiligen Örtlichkeit/Geschichte etc. gegeben. Von diesen in verkehrsarmen Gegenden gelegenen Zielen fahren die Gruppen in den Realverkehr des Großraumes Stockstadt, um dort mit allen möglichen Verkehrs- und Konfliktsituationen konfrontiert zu werden. Fehlverhaltensweisen werden korrigiert und Konflikte mit sachkundiger Hilfe gemeistert. Am Ende dieser Lerneinheit steht die Übergabe der benutzten Fahrräder.

5. Fahrradspende
Stockstädter Einwohner haben der Gemeindeverwaltung Stockstadt Fahrräder übereignet, die durch einen Angehörigen des Helferkreises und von der Kreisverkerhswacht finanzierten Ersatzteile repariert und damit in einen betriebssicheren und verkehrssicheren Zustand versetzt werden. Diese Fahrräder, mit denen auch die unter 3. und 4. genannten Trainings durchgeführt werden, werden am Ende des 2.Trainings den Flüchtlingen übereignet.

6. Fahrradwerkstatt
Die übereigneten, aber auch von den Flüchtlingen selbst erworbenen Fahrräder, sollen künftig unter sachkundiger Anleitung in einem eigens hierzu zur Verfügung stehenden Raum (Fahrradwerkstatt) gewartet und repariert werden. Dies soll die Eigenverantwortlichkeit der Flüchtlinge, aber auch deren Kompetenz im Umgang mit verkehrssicheren Fahrrädern fördern und stärken. Das verkehrssichere Fahrrad soll „Dauerzustand“ sein und nicht nur während des Trainings vorherrschen.